Gedichte:

Auszug aus: "Wortbeben - Komische Gedichte", Lerato-Verlag, ISBN: 978-3-938882-61-0:

Mund auf dem Herzen

Ich mal mir einen Mund
auf mein Herz
und ein Ohr auf den Bauch

Mit dem Auge
auf dem großen Zeh
versuche ich unter die Hosen
und Röcke zu schauen

Über den Sitz meiner Seele
habe ich lange nachgedacht
und Blümchen auf die Innenseiten
meiner Schenkel gemalt

Wer weiß, wozu das gut ist



Rosa Wolke

Was macht die rosa Wolke am Himmel?
Wer hat ihr das erlaubt
sich so selbstverständlich ins Blau zu mischen?

Wo bleibt denn da die Ordnung
wenn Engel nicht mehr
auf weißen Wolken sitzen
und Harfen plötzlich zu Gitarren werden?

Jetzt fehlt nur noch
dass am Himmel Gras wächst
und die Engel kichernd
über Himmelswiesen düsen

Auszug aus: "Meine Nachbarn - Ausgewählte Gedichte", Free Pen Verlag/Bonner Institut für Migrationsforschung, ISBN 978-3-938114-33-9:

Mein Nachbar raucht Pfeife.

Nicht weil es ihm schmeckt
sondern nur um mich zu ärgern.

So ist das mit den Nachbarn.


Mein Nachbar heißt Hans
und manchmal hilft er mir
bei besonderen Arbeiten
er mäht meine Beete
oder zupft die Wände sauber
von Flusen oder anderem Getier
für meinen Hans
habe ich eben immer nur Arbeiten
die eines Hans würdig sind
zur Belohnung darf er manchmal
in meine Ecken schauen
das darf nicht jeder
bei meinen Ecken bin ich sonst recht heikel
aber man muss schon was tun
für eine gute Nachbarschaft

Auszug aus: „Liebe in all ihren Facetten“, Lichtstrahlverlag, ISBN 978-3-9808777-3-2:

Wochenende

Auf kleinen Füßen
kommt es hoch
und schlüpft unter die Decke

Der warme Körper
an meinen gedrückt
der Apfelpopo an meinem Bauch

Zart und gleichzeitig eckig
wie das geht
weiß ich nicht
aber genieße es
jeden Tag, den ich es bekomme
jeden besonderen Morgen
mit meinem lebendigem Glück
gemeinsam unter der Decke

(für Felix in tiefer Liebe)

Kurzgeschichten:

Auszug aus dem Geschenkbuch "100% Schokolade - Eine exquisite Mischung feinster Geschichten", das im August 2008 im Verlag Stories and Friends (www.stories-and-friends.com) erscheint:

Alles wird anders

Mein Leben war praktisch in Ordnung bis zu dem Morgen, als an meiner Hose der oberste Knopf – fatz – wegsprang. Geradewegs vor die Füße von Horst, meinem Mann. Einem dieser durchtrainierten Mittfünfziger, die kein größeres Vergnügen im Leben zu kennen scheinen, als mit dem Fahrrad die steilsten Hänge hochzustrampeln, beim Citylauf mitzurennen und sich mit den sportlichen Freunden zum Inliner-Skaten zu treffen. Lächerlich sagen Sie da? In dem Alter noch inlinern?

»Lächerlich«, sagte Horst, »in dem Alter noch heimlich nachts naschen.«

Gut, ich gebe zu, er hat Recht. Es ist lächerlich. Es ist auch lächerlich, Ihnen von meiner nächtlichen Schokoladennaschsucht zu erzählen, aber ganz ehrlich, haben Sie keine heimlichen Laster? Sind Sie noch nie in einer schlaflosen Nacht aufgestanden, haben sich eine heiße Milch mit Honig gemacht und ein Stück Schokolade genascht? Nein? Ich schon!

Ich wäre übrigens nachdrücklich für eine wissenschaftliche Untersuchung, ob die Geschmacksnerven nachts nicht viel empfindlicher sind, sozusagen wacher, als am Tag. Man hat ja auch im Bett sonst nichts mehr zu tun ... Da haben die überreizten Sinne Zeit, sich zu erholen und Zeit, besonders intensiv zu fühlen, schmecken, riechen.

„Gerade in der Nacht explodieren die Sinne förmlich vor Freude und laufen zu Hochform auf!“, behauptete ich steif und fest und mein Mann – sein Nachtschlaf ist ihm heilig – müffelte nur: „Und wer sollte so eine dämliche Studie zahlen?“ Mir wurscht, ich wäre als Proband jedenfalls gleich dabei, würde wochenlang jede Nacht zu einem Probanden-Kühlschrank laufen und jede Menge Probanden-Schokolade essen. Also, falls Sie von so einer Studie hören ...

Märchen:

Auszug aus: "Drachenstarker Feenzauber", Wurdack-Verlag, Petra Hartmann [Hrsg.] Paperback: 198 Seiten, ISBN 978-3-938065-28-0, Preis: 10,95 Euro, Anthologie nominiert zum Phantastik-Preis 2008:

Der alte Mann unter dem Apfelbaum

Als Dennis Young noch ein Kind war, lebte er in einem kleinen Dorf, mit kaum mehr als einer Handvoll verstreuter Häuser. Jeder kannte jeden, und das ganze Dorf glich einer großen Familie. Wenn einer Sorgen hatte und allein nicht damit zurechtkam, konnte er sich auf die hilfreiche Unterstützung und Anteilnahme der Anderen verlassen. Lag eine Bäuerin im Wochenbett, kam die Nachbarin herüber und sorgte auf dem Hof nach dem Rechten. Und auch zur Erntezeit packte eine Hand bei der anderen an.

Es gab nur eine Sache, die den Frieden dieses idyllischen Platzes störte: Ein alter Mann sorgte immer wieder für Aufregung. Er lebte zurückgezogen in einem verwahrlosten Haus am äußersten Rande des Dorfes. Davor stand ein ungewöhnlich großer Apfelbaum.

Niemand konnte sich daran erinnern, wie es zu der gegenseitigen Abneigung gekommen war. Es war schon immer so gewesen und weder der alte Mann noch die Dorfbewohner dachten daran, diese Situation zu ändern. Bei einer zufälligen Begegnung wurde kein Wort gewechselt, und wenn der alte Mann einen seiner seltenen Einkäufe im Dorf erledigte, wurde er nur verängstigt und möglichst aus sicherer Entfernung beäugt.

Fehlte ein Huhn auf einem Hof oder gab es eine Kartoffelkäfer-Plage, murmelte man sofort: „Das war der Alte!“ Natürlich gab es nie einen Beweis für solche Annahmen, doch die Dorfbewohner flüsterten von einem Bündnis mit einer unheimlichen schwarzen Macht und von geheimnisvoller Zauberei.

Wie sonst wäre das eigentümliche Verhalten dieses Alten zu erklären? Mehr als einmal hatte man beobachtet, wie der alte Mann die ganze Nacht unter dem Baum saß und seine Lippen bewegte, als wäre er in ein Gespräch vertieft. Dabei stand er immer wieder auf, lief um den Baum herum, streichelte den Stamm, küsste einzelne Blätter oder tat andere seltsame Dinge, die man sich einfach nicht erklären konnte. Verhielt sich so ein normaler Mensch?

In einer grauen und kalten Winternacht starb der fremdartige Greis. Ruhig und einsam, wie er sein Leben gelebt hatte, ging er auch in den Tod.

Die Dorfbewohner hätten ihn wahrscheinlich erst nach Wochen gefunden, hätte sich nicht etwas Seltsames ereignet. Zuerst nämlich vernahmen sie nichts als ein splitterndes Geräusch, das allen tief ins Mark drang. Als sie, nach einigem Zögern, nachsehen gingen, sahen sie es. Der Apfelbaum hatte sich in zwei große Teile gespalten. Unter dem geteilten Baum lag der alte Mann mit einem friedlichen Lächeln auf dem Gesicht. Blätter ruhten auf seinem Körper, einer Zudecke gleich, und in einer Hand hielt er einen blühenden Apfelzweig.

Auszug aus: "Traumpfade-Story-Olympiade 2000", Wurdack-Verlag, ausverkauft, Buch-Restbestände sind über Elvira Lauscher zu beziehen:

Der See der unendlichen Träume

Es war einmal ein fernes Land mit dem wohlklingenden Namen Slobodna. Dort lebten gerade solche Menschen, wie auch du einer bist. Sie hatten ihre Fehler, aber auch ihre guten Seiten. Mal waren sie glücklich und ein anderes Mal waren sie traurig. Sie verliebten sich, bekamen Kinder und ihre Kinder bekamen wieder Kinder. Daran ist ja bisher nichts Besonderes. Sicher fragst du dich schon, warum ich das alles erzähle.

Nun in diesem Land gab es einen See, einen ungewöhnlichen See. Er war riesengroß und reichte von einer Grenze Slobodnas bis zur anderen. Man nannte ihn den See der unendlichen Träume. Waren die Menschen unglücklich, gingen sie an seine Ufer und weinten ihren Schmerz in die Tiefen seiner Fluten. Mit jeder Träne, die seine Wasseroberfläche berührte, wurden ihnen neue Träume und Hoffnungen geschenkt. Leider konnte nicht jeder Slobodaner mit diesem wunderbaren Geschenk richtig umgehen, und so kam es, dass sich mit den Jahren ganz unterschiedliche Menschengruppen herauskristallisierten.

Da gab es zum Beispiel solche, die sich tagtäglich neue Träume holen mussten, da sie keine eigenen mehr hatten. Das waren die professionellen Weiner, wie man sie im Volksmund nannte. Wann immer sie wollten, konnten sie ein paar unehrliche Tränen aus ihren Augen pressen und Unglück heucheln. Dann gab es die Schmarotzer, die die Träume eigentlich gar nicht nötig hatten. Durch ihre vielen Schwindeleien war ihr Leben sowieso sehr amüsant und außerordentlich fantasiereich. Aber diese Sorte Mensch muss leider alles haben, was es umsonst gibt und ihnen nicht schon gehört. Als letztes gab es noch eine dritte Gruppe, die aber in ihrer Winzigkeit kaum auffiel. Diese Gruppe - man nannte sie die Träumenöter - kamen nur dann an den See, wenn sie Trost und Träume wirklich nötig hatten. Das kam allerdings sehr selten vor. Denn sie pflegten eine recht ungewöhnliche Tradition, über die man in Slobodna oftmals spottete. Meist weinten sich die Träumenöter bei anderen Träumenötern aus.

Eines Tages kam ein Zauberer aus dem Nachbarland über die Grenze. Er hatte schon viel über das Land gehört und wollte nun mit eigenen Augen sehen, was an den Gerüchten dran war. Schon nach kurzer Zeit wusste er von den drei Gruppen in Slobodna. Und da er ein sehr schlauer Zauberer war und Menschen gut beobachten konnte, wusste er bald viel mehr und weit wichtigere Dinge über das Land. Er bemerkte, dass die Schmarotzer und die professionellen Weiner gar nicht so glücklich über den See waren. Die Träume waren nichts Besonderes mehr. Wann immer sie wollten, konnten sie sich neue holen und so verlor der See viel von seinem Reiz. Trotzdem kamen sie immer wieder. Denn in all den Jahren hatten sie völlig verlernt, mit anderen Slobodanern auszukommen. Es gab nur wenige private Gespräche untereinander, und im Grunde waren viele Slobodaner sehr einsam. Und wenn man einsam ist und Langeweile hat, braucht man Träume.

Oft saßen deshalb viele unglückliche Slobodaner nebeneinander am Ufer und wussten nicht, wie sie das ungute Gefühl tief in ihrem Inneren loswerden sollten. Sie merkten zwar, dass ihnen etwas fehlte, doch die Wenigsten machten sich darüber Gedanken, was es sein könnte. Es war doch viel einfacher, sich neue Träume schenken zu lassen und darauf zu hoffen, dass man irgendwann einmal wieder richtig glücklich werden würde. All das bemerkte der Zauberer, und da er auch ein guter Geschäftsmann war, kam ihm eine Idee, wie er zu Ruhm und viel Geld kommen konnte...

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